• Kay Nordenbrock

Wie motiviere ich mich zu arbeiten?

Als selbstständiger bin ich die meiste Zeit auf mich allein gestellt. Ich habe auch keine Kollegen vor Ort, die mich motivieren meine Arbeit zu erledigen. Darum ist Motivation ein großes Thema für mich. Manchmal fällt es mir leicht, manchmal aber auch nicht. Allerdings arbeite ich schon deutlich motivierter als zu meinen Anfangszeiten. Heute möchte ich darüber sprechen, wie ihr euch motivieren könnt, wenn es gerade einmal nicht so gut läuft.


Warum haben wir überhaupt Probleme uns zu motivieren?


Um herauszufinden, wie wir uns besser motivieren und effektiver arbeiten können, müssen wir das Problem von der Wurzel an angehen. Der größte Feind der Motivation heißt Prokrastination. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle schon einmal prokrastiniert haben. Wahrscheinlich sogar öfter als uns lieb ist.


Prokrastination ist eine mentale Blockade, durch die wir unsere Arbeit liegen lassen und uns lieber anderen Dingen widmen, oder auch gar nichts tun. Diese Blockade kann aus den verschiedensten Gründen entstehen.


Manchmal sind es Gründe, über die wir keine Kontrolle haben, zum Beispiel wenn uns etwas wirklich Wichtiges dazwischenkommt, oder wir durch Krankheit das Bett hüten müssen. Allerdings prokrastinieren wir zum größten Teil aus trivialen Gründen, welche wir in unserem Kopf zu wichtigen Gründen machen. So legitimieren wir unsere Faulheit und meistens funktioniert das auch ganz gut. Das Problem bei der Sache ist: Nachdem wir gefaulenzt haben, stehen wir immer noch an der gleichen Stelle. Wir sind mit der Arbeit kein Stück vorangekommen.


Ein Problem ist, dass die meiste Arbeit Anstrengung erfordert und wir es mit Mühseligkeit und vielleicht auch Langeweile verbinden. Das ist nicht sehr motivierend. Dazu bekommen wir oft keine Befriedigung von langwierigen oder öden Aufgaben. Wenn wir aber Videospiele spielen oder auf Social Media surfen finden wir ständig Dinge, die uns amüsieren, uns Spaß bereiten oder ein Gefühl der Befriedigung geben. Wir werden direkt belohnt und haben kaum etwas dafür getan. Warum also hart dafür arbeiten?


Die Antwort ist ganz einfach: Die Befriedigung oder das Hoch der trivialen Aktivitäten dauert nicht sehr lange an und hat ein launisches Tief zur Folge. Im Endeffekt fühlen wir uns also schlechter als zuvor und haben dazu noch wertvolle Zeit verschwendet. Um dieses Tief wieder gut zu machen suchen wir dann nach weiteren Hochs, die wir kurzfristig und ohne viel Aufwand erreichen können. So versuchen wir uns von Hoch zu Hoch zu hangeln, haben aber im Endeffekt wieder nichts erreicht.


Das Ziel ist es also diesen Kreislauf zu durchbrechen oder im besten Fall gar nicht erst in den Kreislauf hinein zu geraten.


Alles Einstellungssache


Wie eingangs schon erwähnt ist Prokrastination eine mentale Blockade. In anderen Worten: Es ist reine Kopfsache. Das Problem ist nicht die Arbeit selbst, sondern mit welcher Einstellung wir an diese herangehen.


Auch Philosophen haben sich schon vor langer Zeit mit diesem Thema beschäftigt und können Hilfestellung zur Lösung des Problems leisten. Der römische Imperator Marcus Aurelius zum Beispiel ist der Meinung, dass das Arbeiten in der Natur des Menschen liegt. Genau wie Ameisen, Spinnen oder auch Pflanzen täglich arbeiten und ihren Job tun, sollte es ihnen der Mensch gleichtun. Seiner Meinung nach liebt ein fauler Mensch sich nicht genug. Denn wenn er das tun würde, würde er auch seine Natur lieben und dementsprechend seine Arbeit verrichten.


Ein besseres Argument hat der stoische Philosoph Seneca. Laut ihm ist das Herauszögern von Arbeit die größte Verschwendung von Lebenszeit, die er sich vorstellen kann. Indem wir nichts tun überlassen wir unsere Zukunft dem Schicksal, denn nur im Jetzt haben wir die Chance etwas zu verändern und damit auch die Chance eine bessere Zukunft für uns selbst zu schaffen. Durch Prokrastination geben wir also unsere Zukunft aus der Hand.


Einen dritten Ansatz bieten die Taoisten. Von ihnen kommt ein Konzept, welches sich „wu wei“ nennt. Übersetzt bedeutet das so viel wie nichts tun oder müheloses Handeln. Gemeint ist damit nicht, dass wir auf der faulen Haut liegen sollen, sondern, dass unser Handeln, in diesem Fall die Arbeit, ein müheloses Unterfangen ist. Taoisten erreichen dies, indem sie sich einer Aufgabe komplett hingeben und in einen regelrechten Arbeitsfluss verfallen, in dem sie so konzentriert auf die Aufgabe sind, dass es praktisch von allein läuft.


Wie entkommen wir dem Teufelskreis?

Es gibt zahlreiche Wege wie wir der Prokrastination entkommen können. Da gibt es nicht den einen richtigen Weg. Mir hilft der Ansatz von Seneca enorm. Ich spiele zwar immer noch hin und wieder Videospiele oder verschwende meine Zeit auf andere Art und Weise, aber ich schätze meine Zeit mehr. Wenn ich arbeite weiß ich, dass ich diese Zeit in meine Zukunft investiere, da ich immer etwas lerne und mehr Sichtbarkeit für mich und meine Unternehmen generiere.


Das motiviert mich auch tatsächlich etwas zu tun. Wenn ich den ganzen Tag nur faul rumsitze oder Serien auf Netflix schaue, beteilige ich mich nicht aktiv an der Gestaltung meines eigenen Lebens. Und das ist nicht die Art und Weise wie ich mein Leben gestalten möchte.


Oft stehen wir auch vor Aufgaben, die so groß sind, dass sie unlösbar erscheinen. Hier hilft es die Aufgabe erst einmal gründlich zu analysieren und in kleinere Schritte aufzuteilen. So wird sie Machbar und wir bekommen eher die Motivation anzufangen. Anfangen ist oft auch schon die halbe Miete. Es muss nicht immer beim ersten Mal perfekt werden, denn wir können im Nachhinein meist noch korrigieren. Wenn wir aber nie mit der Aufgabe anfangen, prokrastinieren wir und kommen auch nicht dazu uns anderen Aufgaben zu widmen. Wir stagnieren.


„Einfach anfangen“ klingt zu simpel, da ja genau das das Problem ist. Könnt ihr euch aber dazu aufraffen, werdet ihr merken, dass mit jedem getanen Arbeitsschritt die Motivation steigt. Dazu hat mir meine Erfahrung gezeigt, dass es einfach eine Gewohnheitssache ist. Je öfter ich regelmäßig Aufgaben angehe, umso motivierter bin ich beim nächsten Mal. Der Trick hier ist dranbleiben.


Der Weg aus der Prokrastination ist meist schwierig und viele Menschen haben Probleme damit. Ich hoffe ich konnte euch die Hintergründe ein wenig nahebringen, sowie eine neue Sicht auf das Problem. Im besten Fall hoffe ich natürlich, dass der Artikel euch hilft motivierter bei der Arbeit zu werden.


Was sind eure Erfahrung mit dem Thema Prokrastinieren und Motivation? Habt ihr vielleicht sogar Tipps wie ihr motiviert arbeitet?